Was nährt mich und was nährt diese Welt?

Debora Döhrbeck
https://www.foodbydebora.com/

Vor zehn Jahren sass ich eines Abends vor dem Laptop und schaute «Cowspiracy». Der Film zeigt eindrücklich, wie stark die industrielle Tierhaltung zur Umweltzerstörung beiträgt und warum kaum darüber gesprochen wird.

Der Film bewegte mich. Unsere Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt.
Tierische Lebensmittel tragen, je nach Produktionsweise, zur globalen Erwärmung (z.B. Methan), zur Entwaldung, zum Artensterben und zur Verschmutzung unserer Süsswasserressourcen bei. Unser Leitungswasser wurde kürzlich im Labor getestet: Der Nitratwert ist erhöht.

Und plötzlich stellte sich mir eine unbequeme Frage: Passt mein Selbstbild eigentlich zu meinem Teller?
Tierzucht benötigt viele Ressourcen: Fläche, Wasser, Energie und Futter. Gleichzeitig ist mir wichtig zu betonen: Es gibt grosse Unterschiede zwischen industrieller Tierproduktion und regenerativen Betrieben. Ernährung ist etwas sehr Persönliches und deshalb auch emotional. Mich beschäftigt auch die ethische Seite: Nutztiere empfinden Stress, Schmerz und Bindung.

Ist die Milch bio, regional und von Kühen, die Heu fressen? Oder stammt sie von Kühen, die mit importiertem Sojafutter gefüttert werden, für dessen Anbau Regenwald gerodet wurde? Gut zu wissen: Soja für Lebensmittel in der Schweiz stammt übrigens aus Europa.

Mir geht es auch darum, was sonst noch auf dem Teller liegt. Besteht die Hälfte aus lokalem, saisonalem Bio-Gemüse, profitiert unsere Gesundheit enorm. Unser Darm liebt Ballaststoffe: Sie nähren nützliche Bakterien, wirken entzündungshemmend und beeinflussen sogar unser Denken. 95 % der Erwachsenen erreichen die empfohlene Menge nicht. In tierischen Produkten sind keine enthalten.
Ich wünsche mir mehr Bewusstsein. Mehr Neugier. Veränderung beginnt mit Innehalten: Was nährt mich und was nährt diese Welt? Wie kann unsere Ernährung zukunftsfähig werden?

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